Parallel zur Leipziger Buchmesse und zu Europas größter Lesereihe „Leipzig liest“ fanden auch in Taucha einige Lesungen statt, bei denen mit Gerd Voigt und seiner Tochter Susanne Günther, Hanskarl Hoerning und Matthias Kudra gleich vier Marienbrunner aktiv mitgewirkt haben. Zudem fanden etliche Marienbrunner den Weg in das Tauchaer Kulturcafe esprit, in dem die Lesungen stattfanden. Leider hat diese kulturelle Institution am 1. April seine Pforten für immer geschlossen.

Die Tauchaer Lesereihe trägt den verpflichtenden Namen „Leipzig liest in Taucha“ und wird vom Tauchaer „Freundeskreis Literatur“ veranstaltet, der einmal im Monat einen Literaturstammtisch in der Parthestadt organisiert. Zur traditionellen Eröffnungsveranstaltung „Taucha liest selbst“ am Vorabend der Buchmesse stellten sich mit Susanne Günther und Jerry J. Smith auch zwei Leipziger Autorinnen vor. Für Susanne Günther war es zudem der erste öffentliche Auftritt. Souverän stellte sie ihre Familiennachbarschaftsgeschichte vor, in der ihre kleine Tochter die Geschichte vorgegeben, die große Tochter die Bilder dazu entworfen, die Nachbarin die Bilder gemalt und Susanne die Geschichte erzählt hat. Passend zum Finale im Kulturcafe überraschte Jerry J. Smith mit ihrer Geschichte „Bittersüßer Abschied“, in der sie dem Literaturstammtisch im Tauchaer cafe esprit ein literarisches Denkmal gesetzt hat. Matthias Kudra moderierte diesen rundherum gelungenen Abend mit viel Einfühlungsvermögen und stellte selbst zwei seiner neueren Gedichte vor. Nur zwei Tage später gab es mit der viel beachteten und gut besuchten Lesung von Jerry J Smith, in der sie ihren ersten Roman „Die Ungezähmte“ vorstellte, eine echte Buchpremiere. Passend zur Lesung hat Katja Schirmer mit ihrer mobilen Cocktailbar einen „ungzähmten“ Cocktail gemixt. Eine originelle und erfrischende Idee. Man konnte spüren wie das Publikum mit der Hauptheldin Marie mitfieberte, die Schritt für Schritt begreift, dass man für seine Träume kämpfen muss, vor allem gegen sich selbst, wenn man diese verwirklichen will. Zum sonntäglichen Literaturfrühstück kamen dann Gerd Voigt und Hanskarl Hoerning nach Taucha. Wie in alten Zeiten jonglierte Gerd Voigt auf Messers Schneide die Biergläser und Hanskarl Hoerning setzte in alter Pfeffermüller Art gekonnt satirische Pointen. Dabei hat das Buch „Der Schwejk vom Katharinenberg“, in dem Hoerning auf satirische Art und Weise das Leben von Gerd Voigt nachzeichnet, durchaus einen ernsten Hintergrund. Denn wenn Grenzsoldaten der damaligen Nationalen Volksarmee der DDR – unter ihnen auch Gerd Voigt – 1965 durch die Sperranlagen gekrochen sind um mit den Leuten von „drüben“ ins Gespräch zu kommen, musste das Folgen haben. Die Idee zu dem Buch entstand übrigens beim sonntäglichen Stammtisch, liebevoll „Bastorstunde“ genannt, in der Vereinsgaststätte der Gartenfreude „Süd Ost“, der heutigen „Futterkiste“.

In Auswertung der Tauchaer Lesungen haben nun Susanne Günther, Jerry J. Smith und Matthias Kudra einen eigenen Marienbrunner Literaturstammtisch gegründet. Getreu dem Tauchaer Beispiel will der Kreis nun auch in Marienbrunn Lesungen organisieren. Dafür gibt es schon einen ersten Termin. Am 1. September um 19 Uhr soll es an der Marienquelle eine Quellenlesung mit anschließendem gemütlichem Zusammensein in der „Futterkiste“ geben. Alle Marienbrunner und ihre Gäste sind dazu herzlich eingeladen.

Nachsatz:
Dieser Artikel erschien auch im Mitteilungsblatt (II/ 2017) des Vereins der Freunde von Marienbrunn e.V.

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