Mit der Lesung von Günter Rötzsch am 21.09.2019 in der Futterkiste setzte der Marienbrunner Literaturstammtisch (MLST) seine im vergangenen Jahr begonnene Reihe „Leipziger Stadtteilgeschichten“ fort. Diesmal ging es um die Bernhardstraße in Volkmarsdorf, wo der Autor 20 Jahre gelebt und dort seine Kindheit und Jugend verbracht hat. Es waren die Jahre des aufkommenden Nationalsozialismus, des Krieges und der Nachkriegszeit. In seiner Lesung spielte das keine Rolle. Im Gegenteil, er schilderte das Milieu in seiner Straße, was man beim Bäcker oder Fleischer nebenan bekam und was nicht. So ist das Buch „Kladderadatsch – Ein Junge aus der Bernhardtstraße erzählt“ in aller erster Linie eine Liebeserklärung an seine Heimatstadt Leipzig. Laut Klappentext soll das Buch aber auch ein heilloses Durcheinander sein, ein Kladderadatsch eben. In seiner Lesung war davon nicht viel zu spüren. Im Gegenteil das Buch überzeugt durch seine Milieuschilderung, in der man sich so richtig in diese Zeit hineinversetzen konnte, wo elektrisches Licht Luxus in der Wohnung war und die Gasuhr mit Münzbetrieb lief.

Das Haus in der Bernhardstr. 27, dem Rötzsch mit seinem Buch ein Denkmal gesetzt hat, ist heute leider das einzig unsanierte Haus in der Straße. Vor 10 Jahren schloss sich der gelernte Forstwirt und Diplom-Agraringenieur der Gruppe schreibender Seniorinnen und Senioren an und begann mit dem Aufschreiben seiner Kindheitserinnerungen, obwohl er nie ein Tagebuch geführt hat. Doch „im Erleben steckt das Leben, dessen größte Strecke ich zurückgelegt habe“ bekennt der 87-jährige im Vorwort seines Buches.

Die nächste Lesung des MLST ist der berühmten Marienbrunnerin Ruth Pfau gewidmet, die vor wenigen Tagen ihren 90. Geburtstag hätte feiern können, und durch ihr Engagement für Leprakranke in Pakistan Geschichte geschrieben hat. Die Lesung mit dem Marienbunner Claus Ulrich findet am 1.11.19 um 19:00 Uhr im Gemeindehaus der Evangelisch-Lutherischen Kirchgemeinde im Lerchenrain1 statt.